Unsere Publikationen

HALIS-Schriftenreihe: „Just Transitions – Beiträge zum Strukturwandel“

Die Schriftenreihe vereint interdisziplinäre wissenschaftliche Arbeiten zu Themenbereichen der postfossilen Demokratie, neuer Energie- und Ressourcenkulturen sowie Mensch-Umwelt Beziehungen. Im Fokus stehen sowohl die multiskalaren Prozesse des Strukturwandels im Mitteldeutschen Revier als auch überregional vergleichende Forschungsarbeiten und internationale Beiträge zur Just Transition Forschung. Die Veröffentlichungsreihe umfasst wissenschaftliche Abschlussarbeiten und Artikel.

3. Band: "Engagement als Chance? Zivilgesellschaft in einer vom Strukturwandel betroffenen Stadt. Eine Fallstudie zu Aktiven in Herne"

Autor:in: Leonie Franziska Gränert 

Zusammenfassung: 

Urbane strukturschwache Regionen werden oftmals hinsichtlich ihrer Defizite gegenüber vermeintlichen ökonomischen Zentren betrachtet und erfahren Stigmatisierung im öffentlichen Diskurs. Forschungsansätze der Left-Behindness und (Ent- )Peripherisierungsforschung setzen neue Akzente, die abseits von „Abgehängtheits“-Diskursen potenzialorientierte Perspektiven einnehmen. Diese Arbeit knüpft dort mit ihrem akteurszentrierten Blickwinkel lokaler Engagierter an. Mittels Grounded Theory und der theoretischen Linse des Place Attachments werden Bleibe- und Zukunftsperspektiven am Fallbeispiel der Ruhrgebietsstadt Herne betrachtet. Anhand von Interviews mit örtlichen Engagierten wurden Beweggründe und Faktoren für lokales Engagement identifiziert. Auf diese Weise wird ergründet, welche Rolle Engagement bei der Gestaltung und Entwicklung strukturschwacher urbaner Räume spielt. Die Ergebnisse belegen die Notwendigkeit eines stärkeren Fokus auf agency- und chancenorientierte Perspektiven strukturschwacher (urbaner) Regionen. Die Arbeit reiht sich mitunter in das interdisziplinäre Feld der geographischen Engagementforschung ein.

2. Band:"Pödelwitz als Modelldorf: Transformative Kommunalentwicklung im Kontext von Strukturwandel"

Autor:in: Sebastian Schöne 

Zusammenfassung: 

Der Strukturwandel im Mitteldeutschen Revier stellt Politik, Wirtschaft und Wissenschaft, aber eben auch Zivilgesellschaft vor die Aufgabe, sozial verträg­ liche und ökologisch nachhaltige Übergangspfade zu finden. Die Strategien und Zielhorizonte dafür sind von heterogenen Vorstellungen wünschenswerter Zukünfte, ihren narrativen Vignetten und ungleich verteilten Gestaltungsmög­ lichkeiten geprägt. Im Fokus der Arbeit steht das einst vom Braunkohleabbau bedrohte und nun von Leerstand gezeichnete Dorf Pödelwitz im Südraum von Leipzig. Die Bemühungen des Vereins „Pödelwitz hat Zukunft“ e.V, den Ort im Rahmen einer gemeinwohlorientierten Dorfentwicklung mit kollektiven Wohn­, Arbeits­ und Eigentumsformen zu revitalisieren, stoßen dabei dialektisch auf die privatwirtschaftlichen Interessen des Bergbauunternehmens MIBRAG. Denn das Unternehmen besitzt neben weitreichenden Flächen in der Region auch 80% des örtlichen Gebäudebestandes. Es verfügt damit – gegenüber den Anrainergemeinden, als auch bei der Gestaltung des Dorfes – über räumliche und zeitliche Entscheidungsmacht. Im Rahmen der zugehörigen Abschlussarbeit wurde der vom Verein angestoßene Partizipationsprozess (action research) mit Wohninteressierten und Anrainer*innen begleitet, die Nutzungsideen visualisiert (Mapping) und als Diskussionsgrundlage (boundary object) mit Anrainer*innen, der Kommunalpolitik sowie der MIBRAG genutzt. Dieses Paper gibt einen Einblick in die zentralen Ergebnisse der Beteiligungen sowie Perspektiven der involvierten Akteursgruppen. Welche Rolle kann die Revitalisierung des Ortes bei der nachhaltigen Raumentwicklung in der Region einnehmen?

Während mentale Infrastrukturen, die affektive Verbundenheit zur Kohle und die industrielle Vergangenheit die Vorstellungen von Zukünften nach der Kohle prägen, können über die Neugestaltung des Dorfes Fragen nach lebenswerten Orten und einem wünschenswerten Strukturwandel im ländlichen Raum für zivile Teilhabe geöffnet werden. Das Pödelwitzer Modelldorfvorhaben kann dabei Impulse für eine transformative Kommunalentwicklung setzen und somit lokal neue Perspektiven und Handlungsoptionen abseits der konventionellen Strukturwandeldynamiken eröffnen.

1. Band: "Property Matters: Soziale Aushandlungsprozesse von (Wohn)Eigentum im Strukturwandel: Eine empirische Untersuchung am Beispiel des Südraums von Leipzig"

Autor:in: Felix Kolb 

Zusammenfassung: 

Gegenwärtig, im Gefüge des anstehenden Strukturwandels im Mitteldeutschen Revier und der rasanten Miet-, Kauf- und Bodenpreissteigerung der vergangenen Jahre, scheint Eigentum und dessen Aushandlungen eine wachsende Bedeutung zuzukommen. Diese Entwicklungen und die Forderungen nach einer sozialgerechten Transformation werfen die Fragen auf, welche Rolle dabei die zugrundeliegenden Eigentumsstrukturen spielen und welche Dynamiken und Entwicklungen sich rekonstruieren lassen. Basierend auf qualitativen Interviews aus drei Fallbeispielen im Südraum von Leipzig beleuchtet diese Arbeit die zentralen Konfliktpunkte der Aushandlungen von (Wohn)Eigentum aus Sicht der involvierten Akteur:innen. Dabei treten divergierende Vorstellungen von Eigentum, sichtbare Machtasymmetrien und relevantes Erfahrungswissen in den Fokus der Untersuchung. Es zeigt sich, dass Privateigentum und dessen uneingeschränkte Verfügungsgewalt kommunale und kollektive Raumansprüche verzögern und verhindern kann. Anknüpfend an die theoretischen Konzepte der Finanzialisierung und (Ent)Peripherisierung belegen die Ergebnisse die Notwendigkeit eines Paradigmenwechsels im Umgang mit (Wohn)Eigentum und dem Ausbau kommunaler Einflussnahme.

Die Arbeit reiht sich in die – seit den 1990er Jahren aktive Forschung – der Legal Geography ein, die sich maßgeblich mit den räumlichen und sozialen Implikationen von Recht auseinandersetzt und die Bedeutung interdisziplinärer Forschung in den Vordergrund stellt.

Konferenzband: "Postfossile Zukünfte: Strukturwandel gemeinsam gestalten"

Im Rahmen der HALIS-Konferenz „Postfossile Zukünfte: Strukturwandel gemeinsam gestalten“ (6.-7.10.2022) ist ein Konferenzband erschienen. Er vereint - nach einem Editorial der Direktor:innen und einem Grußwort der MLU-Rektorin Prof. Dr. Claudia Becker - noch einmal alle Perspektiven der Tagung. Dabei fasst er die wichtigsten Erkenntnisse und Diskussionspunkte zusammen.